Wurzel und Flügel. [Szenarien]

 

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Das Dorf verlassen, die Häuser überwuchert. Alle Subventionen über 800 m gestrichen, das Leben findet in den unteren Regionen statt – hier nur noch ein riesiger Gebäudekomplex mit langen weissen Gängen, in denen die Neonröhren flackern: „SchudersCARE – effiziente Krankenversorgung“. Zimmer an Zimmer verbringen Menschen die Zeit mit ihren Gebrechen, bis sie diesen Ort verlassen dürfen – gen unten oder gen oben.

//Schnitt//

Gipfelbauten à la Eiffelturm statt Gipfelkreuz, Sesselreihen mit Samtbezug im Wald statt in der Oper oder Picassowerke im Ziegenstall: unzählige Pilotprojekte haben Europas Kulturregion Rätikon weltweit bekannt gemacht. Nicht nur das: die ehemals aus Mangel an SchülerInnen geschlossene Schule in Schuders – medial präsent durch die SchudersArena und die darin stattfindenden Viehschauen und Schwing-Wettkämpfe – wird nun um einen Anbau mit fünffachem Fassungsvermögen erweitert, da die Anzahl der Anmeldungen mit jedem Schuljahr exponentiell steigt.

//Schnitt//

Die Transport-Drohnen ruhen, die Heuroboter bleiben stumm, die selbstfahrenden Postautos stehen heute in der Garage: es ist der 1.Mai 2050, Tag der Arbeit – der einzige Tag im Jahr, in dem noch „von Menschenhand“ gearbeitet und der schweisstreibenden Vergangenheit gedacht wird!

//Schnitt//

Schuders im August 2017: wir präsentieren in der offenen Werkstatt einige der von uns erdachten Zukunfts-Szenarien – vielleicht zu abgehoben? zu dystopisch? Aber nachdem gut zwei Wochen vergangen und wir hier samt Alltagsleben, Nachbartratsch und einer gewissen Art von Routine in der Gegenwart angekommen sind, gilt es nun, die Zukunft in der „Zukunftsakademie“ ernst zu nehmen. Oder ihr zumindest gedanklich noch einmal erheblich mehr Platz einzuräumen als bisher. Und egal wie weit weg das von der immer konkreter werdenden Idee der Wiederbenutzung/Umnutzung/Neunutzung von leerstehenden Schulgebäuden scheinen mag – es öffnet uns und allen Anderen nochmal den Blick und lädt ein, sich Ideen zu erlauben, die über „ein leicht positiv verändertes Leben in Schuders für die nächsten paar Jahre“ hinausgehen.

Und vielleicht sind die Grundsätze dieser Ideen gar nicht so neu, wie wir denken – vor ungefähr zwanzig Jahren gab es schonmal eine Gruppe von transdisziplinär denkenden Menschen in Schuders, deren Themen und Ansätze oft den unsrigen gar nicht so unähnlich waren – aber sie haben Potential. Und der Ursprung der Ideen, die in unseren Notizbüchern, Word-Dateien, Schultafelzeichnungen und Gehirnen vor sich hinkochen, findet sich primär in Erfahrungen und nicht in Annahmen.

Ich habe das Gefühl, um lebensfähig zu werden, brauchen unsere Ideen (und das klingt jetzt vielleicht ein wenig pathetisch – aber diese mich im Moment umgebende Natur fördert diese Richtung) „roots to grow“ genauso wie „wings to fly“. Also gleichzeitig Bodenhaftung (Konkretion, Verwurzelung, Realität) und Flugfähigkeit (Risiko, Leichtsinn, Utopien).

Notiz an mich selbst: In Anbetracht der Zeit sollten sie Schnellwurzler sein.

 

 

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